Fundis abtreiben – keine Bühne für christliche Fundamentalist*innen7 Minuten Lesezeit

Am 30.04. fand in Leipzig die Eröffnung der jährlich stattfindenden „Woche für das Leben“ statt. Beginnen sollte diese mit einem Gottesdienst in der Nikolaikirche, gefolgt von einem Programm von „Fachleuten“ im Nikolaikirchhof. Eine der eingeladenen Fachleute gehörte hierbei zum sogenannten „Bundesverband Lebensrecht“ (BVL), eine christlich-fundamentalistische Organisation die sich seit ihrer Gründung 2001 für das Verbot von Abtreibungen in Deutschland einsetzt. Sie ist ein Zusammenschluss verschiedener selbsternannter „Lebensschutz“-Gruppierungen und in Deutschland der größte seiner Art. Jedes Jahr veranstalten sie außerdem den sogenannten „Marsch für das Leben“, der größte Aufmarsch verschiedener rechter Gruppierungen, Christlicher Fundamentalist*innen und sonstigen Abtreibungsgegner*innen in Deutschland.

Die Katholische und Evangelische Kirche luden sich also bekannte radikale anti-Choice Aktivist*innen ein und boten ihnen eine Plattform für ihre fundamentalistisch christlichen Positionen, die jedem Verständnis von Selbstbestimmung und Menschenrechten eindeutig widersprechen.

Im Anschluss an das Auftaktprogramm veranstaltete die BVL eine eigene „Fachtagung“ in der alten Handelsbörse am Naschmarkt. Anlässlich dieser, rief das „Bündnis für Selbstbestimmung“ zu einem feministischen Gegenprotest auf.

Dieser startete 10 Uhr mit einer Kundgebung am Südplatz und zog anschließend mit einer kämpferischen Demonstration über die Karl-Liebknecht-Straße in Richtung Innenstadt.

Bild: LZO

Auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz wurde eine Zwischenkundgebung abgehalten auf der sich verschiedene feministische Organisationen vorstellten, wie die Gruppe „Kumpela“, deren Arbeit darin besteht, Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland zugänglich zu machen für ungewollt schwangere Personen aus Polen. Dort gibt es eines der strengsten Abtreibungsgesetze Europaweit und ungewollt Schwangeren bleibt meist keine andere Möglichkeit als im Ausland eine*n Ärzt*in zu finden, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Dafür müssen sie auf feministische Selbstorganisation zurückgreifen und bekommen Unterstützung von Strukturen wie Kumpela.

Bild: LZO
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Anschließend zog die Demonstration weiter durch die Innenstadt zur Abschlusskundgebung vor der alten Handelsbörse, in der die Tagung der Abtreibungsgegner*innen stattfinden sollte. Das Ziel: die selbsternannten „Fachleuten“ und „Aktivist*innen für das Leben“ bei der Verbreitung ihrer antifeministischen und rückschrittlichen Inhalte stören und ein Zeichen für eine Fortschrittliche Politik im Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen zu setzen.
Für die körperliche Selbstbestimmung ungewollt schwangerer Personen und die Abschaffung des §219a StGB (Verbot der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche).

Bild: LZO

Unter dem Motto „Fundis zur Hölle jagen“ positionierten sich Aktivist*innen um die Handelsbörse, packten Transparente aus und stellten sich so auf die Straße, dass die Besucher*innen der Tagung gezwungen waren an ihnen vorbei zu gehen, wenn sie das Gebäude betreten wollten. Da die Kundgebung offiziell an der Rückseite der Handelsbörse angemeldet worden war, zogen die Polizist*innen schon kurze Zeit später eine Kette um die Personen und kommunizierten mit mehreren Lautsprecherdurchsagen, dass sie die Personen einer ID Behandlung unterziehen werden, wenn diese sich nicht zurück auf ihre Kundgebung begeben würden.

Gleichzeitig begannen sie weitere umstehende kleine Gruppen anzusprechen. Sie seien eine nicht angemeldete Versammlung, auch wenn sie offensichtlich keine Meinung zum Ausdruck brachten, und sollten den Ort verlassen um nicht als „Illegale Versammlung“ gewertet zu werden und Maßnahmen unterzogen zu werden. Gleichzeitig zogen die Einsatzkräfte eine Kette vor der angemeldeten Kundgebung um zu verhindern, dass weitere Personen den Bereich betraten.

Bild: LZO
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Den Versuch einer Anmeldung in Hör- und Sichtweite der Fundis unterband die Versammlungsbehörde mit allen Mitteln und Ausreden. Nach einiger Diskussion mit dem Anmelder, wiesen sie den etwa 25 Versammlungsteilnehmer*innen eine Kundgebungsfläche an der Grimmaischen Straße zu. Weit entfernt von der anfangs zugesagten Hör- und Sichtweite. Nach weiteren Androhungen die Teilnehmenden Maßnahmen zu unterziehen, begaben sich diese dann doch auf die ihnen zugewiesene Fläche und versuchten ihr möglichstes, einen effektiven Gegenprotest zu bilden.

Kurz vor 14 Uhr und einige Redebeiträge später wurde die Versammlung schließlich aufgelöst. Im online übertragenen Livestream aus den Tagungsräumen war zu sehen, dass die Veranstaltung scheinbar unerwartet schlecht besucht war. Im Angesicht dieser Tatsache, kann man den Protest trotz der Probleme mit der Versammlungsbehörde und der Polizei als kleinen Erfolg im Kampf gegen fundamentalistisch christliche Weltanschauungen verbuchen und gespannt sein, auf das nächste Jahr in dem diese Ansammlung christlicher Fundis mit Sicherheit ebenfalls nicht unwidersprochen bleiben wird.

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